Kritische fragen

Organisationen für Entwicklungszusammenarbeit werden häufig mit kritischen Fragen konfrontiert. Es ist nachvollziehbar und sinnvoll, eine Organisation wie Global Brigades zu hinterfragen, insbesondere wenn man Arbeit, Zeit, Engagement und/oder Geld investieren möchte. Wir versuchen im Folgenden, einige mögliche kritische Fragen vorzustellen und zu beantworten, damit Du dir ein möglichst genaues Bild von unserer Arbeit machen kannst. Falls doch noch Fragen offen bleiben sollten, melde Dich gerne bei uns hier.

Warum sollte ich für euch spenden?

Global Brigades ist bemüht, sich durch freiwilliges Engagement und ein einzigartiges Konzept von anderen Organisationen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit zu unterscheiden. Durch den ehrenamtlichen Einsatz von Freiwilligen auf der ganzen Welt sind unsere Verwaltungskosten (Overhead?) sehr niedrig, womit mehr Spenden(Geld?) direkt vor Ort für die Finanzierung der Projekte eingesetzt werden können, wo sie am meisten gebraucht werden.
Das holistische Modell (kann man das verlinken?) gewährleistet die Effektivität und den Impact unserer Arbeit. Dieses Modell bricht den Teufelskreis der Armut (Poverty Cycle) an verschiedenen Stellen (Lebensbereiche vielleicht spezifizieren?) und soll die Menschen in unseren Partner-Communities dazu befähigen, die eigenen Lebensumstände selbst zu verbessern. Hierbei ist die Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe der Fokus. So erreichen wir neben der Verbesserung von Lebensumständen ein Empowerment der Menschen in unseren Partner-Communities sowie interkulturellen Austausch, welcher auch zur Sensibilisierung der Studierenden führt. Weitere Argumente können auch hier gefunden werden.


Kommt das Geld auch dort an, wo es soll?

Das Geld fließt direkt in unsere Projekte vor Ort. Freiwillige sammeln vorab die für die Umsetzung der geplanten Brigade notwendigen Projektgebühren (Arbeitsmaterialien, Gehälter für lokale Arbeitskräfte, langfristige Unterstützung der Communities, Unterkunft, Verpflegung etc.) in Deutschland mittels unterschiedlicher Fundraising-Strategien, sind anschließend aktiv vor Ort involviert und können somit auch nachvollziehen, wofür das Geld dort verwendet wird. Die Kosten, die jeder/jede Freiwillige vor Ort verursacht, sind zwar ein nicht zu vernachlässigender Anteil der Gesamtkosten, doch die Verwaltungskosten sind durch den großen Anteil ehrenamtlicher Arbeit wiederum sehr gering (6%). Außerdem arbeiten wir momentan an Projekte mit der Option einer virtuellen Teilnahme, um die Kosten vor Ort weiter zu senken.


Wie transparent ist Global Brigades?

Global Brigades arbeitet so transparent wie möglich. Die Zusammensetzung der Kosten für die einzelnen Brigaden sind unterschiedlich hoch und können auf Nachfrage selbstverständlich bekanntgegeben werden. Jedes Jahr wird außerdem der Annual Report auf der Webseite unter globalbrigades.org/about-us/financials veröffentlicht. Der Jahresabschlussbericht von GB Germany e.V. wird jedes Jahr auf der Nationalkonferenz vorgestellt.


Warum reisen die Studierenden zum Projektort?

Es gibt doch professionelle Maurer/Handwerker/ Ingenieure/Ärzte vor Ort? Warum wird Geld für Unterkunft/ Verpflegung für die Freiwilligen "verschwendet"?

Zum einen steht die EntwicklungsZUSAMMENarbeit im Fokus von Global Brigades. Das bedeutet, dass Freiwillige und Community-Mitglieder gemeinsam an  Projekten arbeiten, sodass der interkulturelle Austausch garantiert, der Einsatz der gesammelten Spenden kontrolliert und Freiwillige langfristig für Entwicklungszusammenarbeit sensibilisiert werden. Durch die Erfahrungen, die die Freiwilligen machen, engagieren sie sich meist auch nach dem Studium ehrenamtlich oder für gute Zwecke. Die Freiwilligen und die Community-Mitglieder profitieren gleichermaßen vom Wissensaustausch und Kontakt zu anderen Kulturen. Die Mitglieder der Partner-Communities gaben bei Befragungen oft ein Gefühl der Isolation an und fühlten sich in ihren Möglichkeiten sehr eingeschränkt. Sie können eigenständig dem Teufelskreis der Armut (Poverty Cycle) nicht durchbrechen und haben nur eingeschränkten Zugang zu Bildung und Austausch. Durch die Projekte und damit einhergehende Bildungsangebote, Beschäftigungsmöglichkeiten und Selbstverwaltung der Strukturen vor Ort sowie dem Kontakt zu Freiwilligen aus anderen Ländern steht das Empowerment (hier vielleicht auch eine Verlinkung?) im Fokus. Natürlich gibt es vor Ort professionelle Fachkräfte zur Durchführung solcher Projekte, welche die Brigaden-Gruppen anleiten. Nichtsdestotrotz bietet eine Brigade mit der Mindestzahl von 15 Teilnehmenden ausreichend Manpower, um in Kürze viel zu erreichen. Da die Freiwilligen in alle Arbeitsschritte mit eingebunden werden, erweitern sie auch ihre eigenen Fähigkeiten und lernen prozesshaft von lokalem Know-how des jeweiligen Landes. Die technische Koordination der Projekte liegt jedoch selbstverständlich in der Hand der lokalen Fachkräfte, da sie über das nötige Wissen und praktische Erfahrungen verfügen. Natürlich macht Kost und Logie für die Brigaden-Teilnehmenden einen Anteil der Projektkosten aus, sorgt jedoch auch für Beschäftigung und Umsatz durch beteiligte lokale Stakeholder.


Ist der Umweltschaden durch die Flüge vertretbar?

Nein, eigentlich nicht! Es ist jedoch unausweichlich, ein Flugzeug zu nutzen, um an einem Programm in Honduras, Panama, Guatemala oder Ghana teilzunehmen. Derzeit ist das ein wichtiger Punkt, an dem wir arbeiten. So planen wir mit fortschreitender Digitalisierung eine neue Form von Brigaden, die im Projektland abläuft und virtuell begleitet wird, sodass die Freiwilligen nicht unbedingt in das Projektland reisen müssen. Wir suchen stetig nach Mitteln und Wegen, den Umweltschaden, der durch die Projekte verursacht wird, so gering wie möglich zu halten, bzw. zu kompensieren. Unsere Projekte haben eine ökologisch positive Orientierung, z.B. bauen wir Öko-Öfen (Eco-stoves) im Rahmen unserer Public Health Projekte, unterstützen Aufforstungsprojekte und ökologisch optimierten landwirtschaftlichen Anbau im Zuge von Environmental  Brigades. Zudem bieten wir jedem Brigaden-Teilnehmenden an, seinen Flug durch eine Spende zu kompensieren. 
Aufgrund des hohen CO2-Ausstoßes beim Fliegen hat sich die Hochschulgruppe Münster auf eine Brigade in Griechenland fokussiert und ihre Reise so umweltfreundlich wie möglich geplant, beispielsweise mittels Bus- und Schiffverbindungen. Unsere Projekte in griechischen refugee camps werden stetig ausgebaut, sodass weiterhin ganz in der Nähe an aktuellen Problemen gearbeitet werden kann.


Was können Studierende in einer Woche überhaupt erreichen?

Die Brigaden sind stets nur ein kleiner Teil des holistischen Modells (Link?) und müssen auch in diesem Kontext gesehen werden. Mit nur einer Gruppe, die für nur eine Woche vor Ort arbeitet, gäbe es tatsächlich nur eine unzureichende Wirkung.

Doch Global Brigades besteht aus über 200 Hochschulgruppen weltweit, die nicht nur einmal in den Communities tätig sind. Nachhaltigkeit wird dadurch erreicht, dass kontinuierlich Gruppen vor Ort zusammen mit den Partner-Communities an den Projekten weiterarbeiten und die EinwohnerInnen darin geschult und ausgebildet werden, die Projekte selbst zu verwalten. So werden beispielsweise Community-Health-Workers ausgebildet (Link?) und Community-Owned-Banks mit Unterstützung durch Global Brigades von den Communities weitestgehend selbst verwaltet. Die Freiwilligen  bringen die finanziellen Mittel, Motivation und interkulturellen Austausch, die für die Umsetzung unserer Projekte unverzichtbar sind. Die von Global Brigades angestellten lokalen Mitarbeiter (Staff) betreuen die Projekte langfristig, kümmern sich um BIldungsangebote und die Einbindung der EinwohnerInnen aus den Partner-Communities, kontrollieren den Umgang mit errichteten Anlagen und stellen die Unversehrtheit und die Nachhaltigkeit der Projekte über das ganze Jahr hinweg sicher. Das Zusammenspiel aus kontinuierlicher Betreuung und kurzzeitigen motivierenden Impulsen in Form von Brigaden tragen zum Erfolg unseres holistischen Modells bei. Insgesamt soll die Zusammenarbeit mit einer Community etwa 7-9 Jahre umfassen, bis das Ziel einer als Empowered zu bezeichnenden Community erreicht wird. Nach Implementierung des holistischen Modells ist das notwendige Wissen vermittelt und die Rahmenbedinungen geschaffen, sodass sich Global Brigades vollständig aus der Community zurückziehen kann. Dies sind dann sogenannte Empowered Communities.


Werden den Communities die Projekte, fremde Kulturen und Lebensweisen aufgezwungen?

Die Programme werden ausschließlich in enger Kooperation und Absprache mit den Communities und den lokalen Mitarbeitern und nicht "für" die Mitglieder der Communities erstellt. Die finanzielle Beteiligung und Verwaltung sowie Planung (?) durch EinwohnerInnen sind entscheidend für die Nachhaltigkeit und den Erfolg unserer Programme. Die Communities kommen meist persönlich auf Global Brigades zu, da sie von uns gehört haben, oder wir sprechen neue Communities an, welche in der Nähe unserer aktuellen Partner-Communities liegen. Es erfolgt eine Bedarfsermittlung, wonach geeignete Programme den Komittees der Partner-Communities (Wording?) vorgeschlagen werden, von denen diese profitieren könnten. Das Komittee der Community entscheidet sich für oder gegen die Zusammenarbeit. Die EinwohnerInnen tragen die Entscheidungsgewalt über die Projekte und wirken im Rahmen der Zusammenarbeit aktiv bei der Anpassung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Programme mit.

Unsere Kulturen und Lebensweisen sollen nur ausgetauscht, aber nicht aufgedrängt werden. Aufeiner  Brigade ergeben sich viele Möglichkeiten, miteinander zu kommunizieren und voneinander zu lernen. Die Freiwilligen setzen sich bereits vor der Brigade mit der Kultur, der Geschichte und der Lebensweise der Menschen des jeweiligen Landes auseinander. Für die eigen- und fremdkulturelle Sensibilisierung unserer Teilnehmenden werden hierfür spezifische und verpflichtende Vorbereitungsworkshops durchgeführt. 

Details zu unserem genauen Vorgehen kann hier nachgelesen werden.


Wieso arbeitet Global Brigades nicht auch in anderen Ländern?

Die Gründer von Global Brigades aus den USA besaßen Kontakte in Honduras und begannen dort in Zusammenarbeit mit einer lokalen NGO (Sociedad Amigos de los Niños (SAN) mit zunächst medizinischen Projekten. Umso größer Global Brigades wurde, desto eher wurde es möglich, die Programme auch auf die Nachbarländer Nicaragua und Panama auszubreiten. Auf diese drei Länder wollte sich die Organisation vorerst konzentrieren, nach dem Prinzip: Lokal, nachhaltig und langfristig helfen, statt überall ein wenig.

Durch das zunehmende Wachstum der Organisation, insbesondere in Europa kamen Ghana und Griechenland  als neue Projektländer hinzu. Außerdem werden aktuell Projekte in Guatemala etabliert, da aufgrund der politischen Unruhen die Projekte in Nicaragua zwar weiter betreut und fnanziert werden, jedoch keine Freiwilligen einreisen dürfen.


Warum arbeitet Global Brigades im Ausland und nicht an lokalen Projekten in Deutschland?

Durch Global Brigades' Fokus auf Projekte im Ausland, konzentrieren sich auch unsere Hochschulgruppen auf Brigaden in unseren Partnerländern. Es ist wichtig, dass sich Organisationen eine Spezialisierung suchen, sei es projektbezogen oder demographisch.
Nichtsdestotrotz schließen wir die lokale Arbeit in Deutschland nicht aus! Die Hochschulgruppenarbeit wird nicht vorgeschrieben, sondern kann frei gestaltet werden. Hierfür setzen sich viele unserer Hochschulgruppen regelmäßig im Zuge von Education-Treffen mit relevanten und aktuellen Themen der Entwicklungszusammenarbeit, Humanität und dem sozialen Engagement auseinander.

Ein großes Anliegen von Globl Brigades ist es, die Entwicklung von persönlichen „leadership skills“ zu fördern. Die Freiwilligen sollen durch ihr Engagement, ihre Teilnahme an Workshops, ihren körperlichen Einsatz und den interkulturellen Austausch einprägsame Erfahrungen sammeln und neue Perspektiven gewinnen, die sie persönlich und/oder auch beruflich für ihren weiteren Werdegang nutzen können und mit ihren Freunden und Familienmitgliedern hier in Deutschland teilen können. Diese Sensibilisierung für Entwicklungszusammenarbeit bewegt viele Freiwillge dazu, sich auch in Zukunft, abseits von Global Brigades, für Organisationen, Gemeindegruppen, Vereine und ehrenamtliche Arbeit lokal oder global einzusetzen. Außerdem erfahren durch das Fundraising und die Bildungseranstaltungen hier vor Ort immer mehr Menschen von den Projekten und werden für soziale Ungleichheiten und globale Probleme sensibilisiert sowie vielleicht sogar motiviert, sich selbst zu engagieren.


Sind noch Fragen offen? Gerne beantworten wir weitere Fragen!



Kontakt

Geschäftsadresse:

Global Brigades Germany e.V.

c/o Anna Spies

Friedhofstr. 5/2

88212 Ravensburg

 

Vereinsregister-Nr.:  VR200439 

(Amtsgericht Bayreuth)

 

Präsidentin:

Christine Bock

president.gbgermany
@globalbrigades.org

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